29.06.12

eviva espana

Es war der Tag nachdem ein tief schwarzer Krieger mit kurzem, gelben Irokesen und italienischem Namen die deutsche Fußballnationalmannschaft mit Gewalt ins Nirwana geschossen hatte. Dreißig Grad brannten der Hauptstadt den Schweiß in den Beton. Die Ich-will-doch-nur-spielen-Patrioten schleppten die Überreste ihrer schwarz-rot-goldenen Überheblichkeit über den weichen, dampfenden Asphalt.
Weil ich noch nicht raushatte, wie sich das Spielergebnis auf die Preisgestaltung meiner Lieblings-Pizzeria auswirkte und es richtig heiß war, steuerte ich kühlen und neutralen Halbschatten an. Ich bestellte ein kaltes Schwarzes und folgte der Diskussion zwischen Bodo und dem Heinz.
"Wieso verdammte Italiener? Du wolltest keine Politik, Du wolltest keine Europa-Diskussion und keine über Menschenrechte. Wenn es also wirklich nur Fußball war, weshalb regst Du Dich dann so auf?"
"Du vaterlandsloser Geselle!"
"Bodo!" zischte Mellie.
Der Heinz stieß ein Rauchwölkchen aus: "Was erwartest Du von jemandem der Balla-Telli heisst? Außerdem stellen wir schon den Papst, Audi hat Lamborghini gekauft, die Märkte haben ihren Mini-Duce geschasst und La Merkel lässt sie nicht mit unserem Geld rumspielen." Der Heinz zuckte die Achseln: "Uns geht's doch bueno und da trägst Du Ihnen einen Sieg im Fußball nach?"
"Das alles hat doch gar nichts damit zu tun! Es ist doch nur Fußball"
"Eben. Nur Fußball."
Ich sah Mellies Verzweifelung und versuchte zu vermitteln: "Wir sind doch alle gute Verlierer, oder? Und gute Verlierer beklagen sich nicht. Wir kaufen nächsten Monat bloß alle kein Nutella, keinen Ferrari und keine Pizza mehr, auch nicht die aus dem original italienischen Steinofen von Dr. Oetker.
Und weil von uns wirklich niemand nachtragend ist, trinken wir jetzt alle einen Veterano und Mellie legt 'eviva espana' auf."
Der Heinz schüttelte den Kopf: "Bei deutschen Schlagern passe ich. Zahlen bitte!"

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